Foonds Report-SMH (Article in German)

‘Metalle in unseren Körben dürfen nicht an Börsen gehandelt werden’

„Wir sehen ein grosses Rückschlagspotential bei den Seltenene Erden“
Published by Foonds.com (Original link:http://www.foonds.com/article/13737/fullstory)

SMH rare metals vaultDie Schweizerische MetallhandelsAG ermöglicht das Direktinvestment in strategische Metalle, z.B. solche, die für die Solartechnologie benötigt werden. Börse-Express befragte zu diesem nach Fukushima topaktuellen Thema den Verwaltungsrat des Unternehmens, Alexander Hofmann.

BE: Wann wurde die SMH gegründet? Was ist ihre Tätigkeit: Handel mit Metallen generell (auch mit Industriekunden) oder nur für Anleger? Wie gross ist die SMH?

Hofmann: Die SMH Schweizerische Metallhandels AG (SMH-AG) wurde Anfang 2009 gegründet. Sie unterhält in der Schweiz zwei Büros. Die SMH-AG beschäftigt aktuell 752 freie Vertriebsmitarbeiter. Sie hat Vertriebs-stützpunkte in der Schweiz, Deutschland, Südamerika und in den USA. Der Jahresumsatz liegt derzeit bei rund 75 Mio. Schweizer Franken. Die SMH-AG handelt Metalle mit Industriekunden und privaten Anleger.

BE: Welche Produkte bieten Sie speziell für den Privatanleger an? Kann er ausser den beiden Metallbaskets (Warenkörbe) Metalle auch individuell kaufen?

Hofmann: Für den Privatkunden bieten wir derzeit 2 Warenkörbe und Silbergranulat an. Ab 25.000 Euro ist der Kauf von Einzelmetallen möglich. Silbergranulat bieten wir ab 2.500 Euro an. Ein dritter Warenkorb wird in Kürze an den Start gehen.

BE: Nach welchen Kriterien wurden die beiden Warenkörbe „Schlüsselindustrien“ und „Solartechnik“ zusammengestellt? Wie lange gibt es sie und bleiben sie ihn ihren Bestandteilen und Mengenverhältnissen langfristig unverändert?

Hofmann: Das erste Kriterium war, die Metalle zu sichten, bei denen eine Verknappung bei steigender Nachfrage vorlag. Von dieser Basis ausgehend wählten wir weiterhin die Metalle aus, welche die wichtigsten Schlüsselindustrien abdecken und gleichzeitig für die Zukunftstechnologien unverzichtbar sind. Dabei legten wir Wert darauf, dass unsere strategischen Metalle nicht an der Börse gehandelt werden, um von wirtschaftlich kurzatmigen Zyklen unabhängig zu sein. Damit konnten wir den Preis- und Mengenmanipulationen durch Massenkäufe (wie bei Zertifikaten) weitgehend einen Riegel vorschieben. Nur das Gesetz von Angebot und Nachfrage bestimmt den Marktpreis. Ein weiteres Kriterium war, dass die Metalle weder radioaktiv, giftig, brennbar oder stark ätzend sein durften und keinem Alterungsprozess unterliegen. Zum Schluss wurden dann die in Frage kommenden Metalle wertmässig gleich gewichtet. Das bedeutet, dass 47,4kg Wismut zu Beginn in etwa den gleichen Wert in Euro hatte wie z.B. 2 kg Indium.

Das Konzept der Warenkörbe bietet dem Kunden gegenüber dem Kauf von einzelnen Metallen ganz erhebliche Vorteile. Der Käufer setzt nicht alles auf eine Karte. Durch die Diversifizierung innerhalb des Warenkorbes auf 6 bzw. 3 Metalle können die teilweise nicht unerheblichen Preisschwankungen einzelner Metalle besser abgefedert werden. Da viele Metalle sich in ihren Anwendungen überschneiden entsteht ein zusätzlicher Vermarktungsvorteil. Alle Metalle sind von höchster Reinheit und Qualität. Dadurch können sie von den Schlüsselindustrien problemlos weiterverarbeitet werden. Die Logistik innerhalb des Lagers sowie die Ausnutzung der kostbaren Lagerflächen werden optimiert. Dadurch bieten wir unseren Kunden unschlagbar günstige und faire Lagergebühren, die im Betrag gleich bleiben und nicht mit dem Wert der Metalle immer weiter ansteigen. Ca. 80% aller verarbeitenden Industriezweige weltweit benötigen mindestens eines oder mehrere dieser Metalle für die Produkte des alltäglichen Lebens.

Sollte es, für einzelne dieser attraktiven Metalle, in Zukunft Beschaffungsprobleme geben, würden wir die jetzige Zusammensetzung in der Zukunft nicht mehr anbieten können. Wir würden dann mit einer neuen attraktiven Auswahl an Metallen andere Warenkörbe anbieten. Für den Kunden, der bereits einen der Warenkörbe besitzt, würde sich nichts verändern. Für neue Kunden würde es dann einen neuen Warenkorb in einer anderen Zusammensetzung geben.

Anfang des Jahres 2010 hatten wir uns auch sehr intensiv mit der Planung eines Warenkorbes für Seltene Erden befasst. Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, Seltene Erden in Form eines Warenkorbes nicht anzubieten, da die Beschaffung nicht zuverlässig gewährleistet werden konnte. Ausserdem sind die Seltenen Erden zwei Dinge nicht: Es sind keine Erden und sie sind nicht selten. Unserer Meinung nach sind die Seltenen Erden extrem spekulativ. Für ein langfristiges Investment halten wir die Seltenen Erden nicht geeignet. Extreme Spekulationen entsprechen nicht unserer Philosophie. Unser Weg geht weg von Zins und Rendite hin zur Nachhaltigkeit.

BE: Wie funktioniert konkret der Kauf der Warenkörbe durch den Privatanleger, was ist das Mindestinvestment und wie hat der Kunde Sicherheit, dass ihm die Metalle auch im Konkursfall gehören? Was sind die Kauf/Verkaufsspesen (Spread etc.) und Lagergebühren?

Hofmann: Dem Kunden bieten sich mehrere Möglichkeiten. Er lädt sich die entsprechenden Kaufunterlagen von der Webseite der Schweizerischen Metallhandels AG herunter oder er tritt mit uns in Kontakt und wir nennen ihm einen kompetenten Vertriebsmitarbeiter. Der Mindestkaufbetrag ist immer der Preis, den ein Warenkorb kostet. Bei Silbergranulat ist der Mindestkaufbetrag 3.000 CHF bzw. 2.500 Euro. Der Kunde erwirbt nach vollständigem Zahlungseingang das Eigentum an den Metallen. Sie werden dem Kunden mit eindeutiger Nummerierung konkret zugeordnet und übereignet. Das dokumentieren wir dem Kunden in Form einer Eigentumsurkunde. Im Falle eines Konkurses der Schweizerischen Metallhandels AG würden die Metalle auf keinen Fall in die Konkursmasse einfliessen. Man könnte sich das sinngemäss und stark vereinfacht so vorstellen: Sie haben Ihr Auto in einer Garage geparkt, die Ihnen die Schweizerische Metallhandels AG vermietet hat. Wenn das Unternehmen in Konkurs ginge, würde das Auto weiterhin Ihr Eigentum bleiben.

Die Kosten werden von uns von Anfang an offen kommuniziert. Unsere veröffentlichen Tagespreise sind so genannte Bruttoverkaufspreise. Sie enthalten einen „Spread“ oder besser gesagt einen Kostenfaktor in Höhe von 14,75% (im Hundert gerechnet). Das entspricht einer Nettokostenquote in Höhe von 12,81%. Nicht enthalten sind die Lagergebühren.

BE: Wodurch entstehen die Kosten?

Hofmann: U.a. durch die Beschaffung der Metalle, die Analyse der einzelnen Metalle, die Einzelverpackung mit Kenntlichmachung für den jeweiligen Kunden, die Lagerverpackung (Fässer nach UN-Sicherheitsnorm, staub-, licht-, feuchtigkeitsdicht, etc.), die Zollformalitäten, die Transportversicherungen, den Transport ins Zollfreilager, die Einlagerung, die Prüfung der Ware, den Vertrieb und durch die Erstellung der Kundendokumente und Versand

Diese Kosten können wir dem Kunden natürlich bei Ankauf der Metalle nicht erstatten. Deshalb werden sie ihm beim Ankauf abgezogen. Ähnlich wie es bei Gold, Silber oder Aktien einen An- und Verkaufspreis gibt, gibt es bei uns auch einen An- und Verkaufspreis.

BE: Und die Lagergebühren?

Hofmann: Die Lagergebühren berechnen sich einfach. Für jeden Warenkorb „Schlüsselindustrie“, auch grosser Warenkorb genannt, bezahlt der Kunde 100,00 CHF / 80,00 EUR pro Jahr. Für jeden Warenkorb „Solar- und Energietechniken“, auch kleiner Warenkorb genannt, bezahlt der Kunde 60,00 CHF / 40,00 EUR pro Jahr.Bei Silbergranulat bezahlt der Kunde 1% vom Ursprungskaufbetrag pro Jahr. Unsere Lagergebühren bleiben konstant günstig und steigen nicht mit der Wertsteigerung der Metalle an. Das ist nur fair, weil sich die Lagerfläche ja nicht automatisch mit dem Wert der Metalle vergrössert.

BE: Haben Sie auch österreichische Kunden? Wenden sich diese an Ihre deutsche oder Schweizer Niederlassung zum Kauf der Metalle?

Hofmann: Die SMH-AG hat zur Zeit Kunden in 26 Ländern dieser Erde – auch in Österreich. Dem österreichischen Kunden steht es frei, an welchen Vertriebsstützpunkt er sich wendet. Er bekommt immer eine kompetente Unterstützung.

BE: Wie sieht die steuerliche Situation (MWST) bei der Zollfreilagerlösung aus? Sind Kursgewinne nach einem Jahr Behaltedauer in Deutschland steuerfrei?

Hofmann: Da wir in einem Zollfreilager einlagern, ist der Erwerb umsatzsteuerfrei. Bei unseren Metallen handelt es sich nicht um ein Finanzprodukt, weshalb, nach derzeitiger Rechtssprechung, nach einer Haltedauer von einem Jahr keine Gewinnbesteuerung, also Abschlagsteuer, b.z.w. Einkommensteuer, anfällt. Verbleibt die Ware des Kunden vom seinem Kauf bis zum Verkauf im Zollfreilager, wird er nie mit Steuern in Berührung kommen.

BE: Wie kann der Verkauf eines Warenkorbes durch den Kunden gewährleistet werden, wenn gerade ein Teil der Metalle nicht handelbar ist (die Metalle werden ja an keiner Warenbörse gehandelt) bzw. kann überhaupt immer ein Preis gefunden werden?

Hofmann: Unsere Metalle sind Handelswaren und für Handelswaren werden immer Märkte, oder einfacher ausgedrückt, Abnehmer benötigt. Aus diesem Grund kann nicht immer garantiert werden, dass sich zu jeder Zeit ein Abnehmer für die Metalle findet. So kam z.B. der Handel mit Indium beim Kursfall 2006/2007 nahezu zum Erliegen. Die Kunden der Schweizerischen Metallhandels AG stellen jedoch in sich bereits einen Markt dar, d.h. möchte ein Kunde seine Metalle veräussern, können diese auch von anderen oder neuen Kunden übernommen werden. Das war ausschliesslich durch die Standardtisierung in Warenkörben möglich.

Dass unsere Metalle an keiner Börse gehandelt werden, ist jedoch nicht unbedingt ein Nachteil. Unserer Meinung nach ist das sogar ein Vorteil. Denn nur weil Metalle an einer Börse gehandelt werden, bedeutet das ja nicht automatisch, dass sich immer ein Abnehmer findet oder dass die Preise realistisch sind. So wie auch an den Aktienbörsen zeitweilig Preise verfallen können, oder sogar der Handel ausgesetzt werden kann, könnte dies genauso an einer „Metallbörse“ passieren. Metalle ohne Börsennotierung machen jedoch eine Spekulation sehr schwer, was eine Blasenbildungen und im Umkehrschluss auch grosse Abwärtstrends eher verhindert. Genau das war von uns so gewollt und hier sehen wir einen klaren Vorteil für unsere Kunden.

Sie können an der aktuelle Situation am Silbermarkt eindeutig erkennen, wie durch massive Spekulationen und Leerverkäufen die Preise, der an den Börsen gehandelten Metalle, “manipuliert” werden können. Die augenblickliche Situation hat unserer Meinung nach nichts mit der tatsächlichen Situation am physischen Silbermarkt zu tun, denn die Nachfrage aus der Industrie ist ungebrochen. Genau aus diesem Grund war es eine unserer Prämissen, dass die Metalle in unseren Warenkörben, auf gar keinen Fall an der Börse gehandelt werden dürfen. Denn wir wollten vermeiden, dass grosse Investoren einen Markt, bei dem es um Angebot und Nachfrage geht, durch extreme Spekulationen zu Lasten unserer Kunden beeinflussen können. Unser Produkt ist nicht für kurzfristige Spekulationen geeignet. Unser Beratungsansatz ist auch nicht eine mögliche Rendite sondern der Werterhalt. Gerade der Run nach Zins und Rendite hat ja die aktuelle Situation an den Finanzmärkten erst möglich gemacht. Daran wollen wir uns mit unseren Produkten nicht beteiligen.

BE: Gibt es zu den beiden Warenkörben einen längerfristigen Chart?

Hofmann: Ja, auf unserer Webseite http://www.schweizerische-metallhandelsag.chfinden Sie die Charts unserer Warenkörbe seit ihrem Auflegungsdatum. Sich jedoch vergangenheitsorientiert, also mit Charts, diesen Produkten zu nähern, halten wir für fragwürdig, da Preisentwicklungen für die Zukunft nicht daraus abzuleiten sind. Diese bittere Erfahrung mussten viele unserer Kunden machen, als Sie sich bei ihren Investitionen in Aktien und Fonds, auf die langfristigen Charts verliessen.

Wir sehen unsere Warenkörbe aus den folgenden Gründen als logisches Investment: wachsende Weltbevölkerung, wachsende Anzahl von Anwendungen, weiterer Fortschritt der Technologien, wachsender Energie– und Trinkwasserbedarf, keinen Börsenspekulationen, aufstrebende Nationen wie China, Indien, etc. So sollte also eine Werthaltigkeit gegeben sein, was genau unser Ansinnen ist. Wir streben nicht nach der „Überperformance“, auch wenn unsere Kunden bisher aussergewöhnliche Wertsteigerungen hatten.

BE: Bei einigen Seltenen Erden kam es in den letzten Jahren zu Preisentwicklungen, die selbst Silber in den Schatten stellen. Sehen Sie hier nicht ein grosses Rückschlagspotential? Auch bei einem Rückgang der Weltkonjunktur?

Hofmann: Wir sehen ein grosses Rückschlagspotential bei den Seltenene Erden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil China derzeit noch 95% kontrolliert und bereits viele Produzenten „auf der Matte“ stehen. In den nächsten Jahren wird sich unserer Meinung nach der Preis wieder auf ein normales Niveau senken. Anders bei den strategischen Metallen. Hier ist die Nachfrage physischer Natur, es gibt weder Options- noch Hebelgeschäfte. Dadurch sind die Preisentwicklungen auf deutlich solideren Daten basiert. Selbstverständlich gibt es auch in diesem Bereich Preisschwankungen.

BE: Durch die Exportrestriktionen von China sollen nun auch in Amerika und Europa sowie Australien wieder Förderkapazitäten für Seltene Erden aufgebaut werden. Wird das nicht langfristig zu einem Überangebot führen?

Hofmann: Die derzeit vorliegenden Zahlen lassen vermuten, dass es innerhalb der nächsten Jahren zu einem ausgeglichenen Markt kommen wird. Jedoch ist kaum vorhersagbar, wie China auf diese neuen Angebote reagieren wird. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass sie die Märkte etwas abkühlen und die Versorgungslage der Industrie sich entspannt.

BE: Welche konkreten Auswirkungen sehen Sie auf strategische Metalle im allg. und Ihre beiden Warenkörbe im speziellen durch Fukushima und ein eventuelles Umdenken in der Energiepolitik?

Hofmann: Eine Umstellung auf nicht-nukleare Energien dürfte zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage der meisten Metalle unserer Warenkörbe führen. Hinzu kommt, dass durch diesen Vorfall auch das Thema Energieeinsparung nochmals an Bedeutung gewonnen hat. Somit dürften Elemente wie Gallium, Indium, Tantal, Hafnium, Wismut und Tellur, die ja auch in Energie-Spartechnologien wie LED-Beleuchtung, sparsameren Turbinen etc. eingesetzt werden, einen Nachfrageschub erfahren. Ganz neue Konzepte von Energierückgewinnung werden darüber hinaus sehr spannende Zukunftsperspektiven für einige dieser Metalle eröffnen.

zum Unternehmen: http://www.schweizerische-metallhandelsag.ch
Das Interview führte Christoph Rohrmoser